Mittwoch, 27. Dezember 2017

Totalitarismus; nicht totzukriegen

Flaggen mit Hammer und Sichel hochhaltend zieht eine Heerschar von russischen Soldaten über den roten Platz. Salutierend wird zu dem Ehrgengästepult geblickt. Man könnte meinen es wäre 1977, ist es aber nicht, sondern 2017. 26 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion könnte die Nostalgie für viele Russen nicht größer seien. Und Putin und sein Politbüro wissen das.

Noch immer weht die alte Nationalhymne der Sowjetunion durch die Länder der Russischen Föderation, zwar mit verändertem Text. Aber dem Totalitarismus der vergangenen Tage hat man in Russland noch immer nicht großflächig entsagen können. Das Land wird quasi von einer Oligarchie an einflussreichen Industriellen regiert, Demokratie, Rechtsstaat und Presse sind massiv eingeengt. Der Zerfall der Sowjetunion hat Russland nur mäßig demokratisiert. Der Stalin-Kult findet eben wieder seine Auferstehung, immerhin hatte er im Auge von vielen Russland zur Weltmacht geführt, da geraten die vielen Verbrechen des despotischen Diktators, die schon Chruschtschow seinerzeit anprangerte, in den Hintergrund. Deprimiert von dem teils stark ungedämpften Kapitalismus und dem Schrumpfen von Staatsgebiet und Einfluss sehnt man sich wieder nach einem starken Mann.

Putin nutzt dieses Verlangen aus. Während die heutige Russische Föderation wirtschaftlich kaum noch etwas mit der ehemaligen UdSSR gemeinsam hat, versucht Putin sich dennoch als ihr Nachfolger zu inszenieren. Eben als starker Mann. Eines starken Lands. Schon unter Hammer und Sichel führte Russland eine aggressive Außenpolitik zu seinen Nachbarländern. Ein roter Imperialismus. Viele dieser Konflikte wurden ausgetragen um im Falle eines bewaffneten Konflikts mit dem Westen einen Puffer, sozusagen einen dicken Pelzmantel, gegen einmarschierende Truppen zu haben. Eine Politik, die auch heute noch in Ansätzen so weiter verfolgt wird.

Unter Ultra-Konservativen ist Putins Regierung aufgrund von rabiaten Anti-Amerikanismus und Putins rücksichtsloser Politik gegenüber Homosexuellen beliebt. Aber auch an Links-außen-Gesinnte versucht man appellieren wieder einmal Moskau die Treue zu schwören. Wieder einmal wird mit der Leiche der Sowjetunion geschwenkt um unter Marx-Leninisten die alte Treue heraufzubeschwören. Nicht unbedingt universell erfolgreich aber teilweise findet dieses neue Narrativ unter Menschen, die nach dem Motto der Feind, Russland, meines Feindes, USA, ist mein Freund agieren, Anklang.



Die derzeitige russische Führung grabt zurzeit den Totalitarismus und Expanismus der Sowjetzeiten wieder aus und macht sich auch daran diesen marketingtechnisch gut zu verkaufen. Wer aus der Geschichte nichts lernt ist verdammt sie zu wiederholen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen