Sie sind jung. Sie sind patriotisch. Und sie sind keine
Neo-Nazis. So zumindest wollen sich viele der Neuen Rechten präsentieren. Die
alten Rot-Weiß-Schwarz-Flaggen und die Lonsdale-T-Shirts weichen immer mehr den
Flaggen von Identitären und Designerklamotten. Der alte Rechtsradikalismus ist
im Begriff sich komplett neuzuerfinden aber das ideologische Fundament bleibt.
Die Identitären im europäischen Raum setzen vermehrt auf
eine Verankerung in der Jugendkultur um neue Unterstützer zu gewinnen.
Besonders auf Unis sind sie aktiv. Hauptsächlich setzen die Identitären auf
politisch weniger belastete Symbolik, die aber tendenziell oft doppeldeutig sind.
So ist das Symbol der Identitären, das gelbe Lambda vor schwarzem Hintergrund,
nicht unähnlich dem Logo der Sturmabteilung im Dritten Reich. Natürlich bleibt
man so in Deutschland und Österreich, wo Symbole des Nationalsozialismus
verboten sind, im legalen Raum und kann andererseits sich auch als ideologisch
unterschiedliche Gruppe präsentieren. Statt Völkischem wird stattdessen auf
Traditionelles gesetzt, also kein Rechtsrock und Springerstiefel, sondern “Neofolk“
und Dirndl. Aber auch Modekleidung und Second-Hand-Kleidung ist nicht unüblich,
was den Identitären den Spitznamen “Nazi-Hipster“ eingebracht hat.
Von Schlüsselfiguren der aufkeimenden Neuen Rechten wird
insbesonders in den Vereinigten Staaten der Wunsch nach einer “friedlichen ethnischen Säuberung“ und nach der Errichtung eines “weißen Ethnostaates“
geäußert. Warum friedlich? Weil es schlechtes Marketing für die Neuen Rechten
ist, wenn ihr letzter Versuch einen Ethnostaat zu errichten in einem Massenmord
an Juden, Roma und Sinti, politischen Gegnern und sonstigen “Unerwünschten“
gipfelte. Die Idee muss erst wieder “reingewaschen“ werden, um sie wieder
massentauglich zu machen. Die Motivationsgründe für den Wunsch nach einem
Rassenstaates reichen von blankem Rassismus bis hin zu perfiden
Verschwörungstheorien. Die Verschwörungstheorie des “weißen Genozids“, wonach
die weiße Bevölkerung Europas durch Migrationsströme ausgelöscht werden soll
(teilweise antisemitisch aufgeladen: so gibt es Versionen dieser
Verschwörungstheorie, dass der jüdische Investor George Soros dafür
verantwortlich seie), versucht die Thematik ins Gegenteil zu drehen und “ethnische
Säuberungen“ als einzige logische Konsequenz zu präsentieren.
Auch konzentriert sich die Neue Rechte in den USA hochgradig auf Internetkultur. Memes werden zur Propagandaverbreitung genutzt,
ursprünglich unschuldige Figuren wie Pepe the Frog werden zu Galionsfiguren der “Alt-Right“
stilisi ert, und mittels 4Chan mediale Feldzüge gegen politische Gegner geplant. Die
Internetkultur der amerikanischen Rechten zielt auf insbesonders auf
enttäuschte Jugendliche ab, die von Zukunftsangst in die Hände von Richard
Spencer und Co. getrieben worden sind. Auch im Fahrwasser von Bewegungen wie
Gamergate und den antifeministischen Youtuber-Persönlichkeiten wie Sargon of
Akkad und Paul J. Watson sammelt die “Alt-Right“ neue Sympathisanten. Mit
Donald J. Trump war es der neu erstarkten Bewegung sogar gelungen einen
Sympathisanten über Umwegen durch die Republikanische Partei ins Amt des
Präsidenten zu heben.



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