Sonntag, 25. Februar 2018

Kom|mu|nist

1871 brodelte es in Paris. Die Pariser Kommune wurde ausgerufen. Das erste Mal wurde versucht die theoretischen Staatsideen von Marx, Engel, Bakunin und Kropotkin in die Realität zu verfrachten. Unerfolgreich: der französische Staat schlug die kurzlebige Rätedemokratie mit Waffengewalt nieder. Auf die Pariser Kommune sollten sich später nahezu alle Kommunisten berufen.

Kommunist ist heutzutage kein positiv besetztes Wort. Nach den Verbrechen Stalins und Maos nicht mehr. Nach dem Versagen der selbst deklariert sozialistischen Länder Osteuropas. Wenn man “Kommunist“ in einem Kreis von Personen erwähnt werden Bilder von Lenin, Soldaten mit AK-47s und Ushankas und Atomsprengköpfen wach. Ein ungemein von dem Kalten Krieg inspiriertes Bild. Das gesellschaftliche Bild eines Kommunisten schießt sich meistens auf die Vorstellung eines autoritären, marxistisch-leninistischen Kommunisten ein. Ist das aber ein korrektes Bild jedes Menschen der sich selbst als “Kommunist“ bezeichnet?

Woher kommt das Wort “Kommunist eigentlich? Ursprünglich wurde es in der Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet und leitete sich vom lateinischen Wort “communis“ (allgemein oder gemeinsam) ab. Für die bedeutenden, linken Philosophen bedeutete es die Vorstellung von einer klassenlosen und staatenlosen Gesellschaft. Kommunisten sind also die Menschen, deren Endziel der Kommunismus ist. Im Gegensatz dazu stehen die Anarchisten: deren konkretes Ziel ist es nämlich sofort den Kommunismus ohne Übergangsformen, wie die Kommunisten es planen, zu erreichen. Verwirrend? Ja. Dann gibt es auch noch die Kommunisten deren Ziel es nicht mal mehr ist den Kommunismus zu erreichen: größtes Beispiel hierfür ist die Staatsideologie Nordkoreas, Juche, und die kapitalistischen Kommunisten chinesischer Prägung.

Ein Hauptvorwurf an selbstdeklarierte Kommunisten ist natürlich, dass sie zur Diktatur tendieren und demokratischen Ideen feindselig gegenübergestellt sind. Natürlich trifft das auf eine Vielzahl an Kommunisten, die schlimmsten Übeltäter: Leninisten, Maoisten oder auch Trotzkisten, zu allerdings auch auf eine Vielzahl an Gruppen nicht. Da wären einerseits die Rätekommunisten, die eine im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie stehenden Räterepublik, die basisdemokratisch von Arbeiterräten geführt werden soll, herbeisehnen. Ein Großteil der Aufstände im Ostblock fand unter rätekommunistischer und reformkommunistischer Flagge statt, die Größte unter diesen war vermutlich der Ungarn Aufstand 1956.

Oder die Eurokommunisten, die sich aus der Abgrenzung der westeuropäischen, kommunistischen Parteien von der Sowjetunion herauskristallisierten, und ein demokratisches Mehrparteiensystem unterstützen. Ein Großteil der heutigen, großen, europäischen KPs (zum Beispiel die KPÖ in Österreich und Die Linke in Deutschland) sind mehr oder minder eurokommunistisch.


Wo sich Begriffsdefinitionen und hegemoniale Vorstellungen immer weiter entfernen, heißt es schlussendlich: Wo Kommunist draufsteht, ist nicht immer drin, was du dir darunter vorstellst.

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