1871 brodelte es in Paris. Die Pariser Kommune wurde
ausgerufen. Das erste Mal wurde versucht die theoretischen Staatsideen von
Marx, Engel, Bakunin und Kropotkin in die Realität zu verfrachten.
Unerfolgreich: der französische Staat schlug die kurzlebige Rätedemokratie mit Waffengewalt
nieder. Auf die Pariser Kommune sollten sich später nahezu alle Kommunisten
berufen.
Kommunist ist heutzutage kein positiv besetztes Wort. Nach
den Verbrechen Stalins und Maos nicht mehr. Nach dem Versagen der selbst
deklariert sozialistischen Länder Osteuropas. Wenn man “Kommunist“ in einem
Kreis von Personen erwähnt werden Bilder von Lenin, Soldaten mit AK-47s und
Ushankas und Atomsprengköpfen wach. Ein ungemein von dem Kalten Krieg inspiriertes
Bild. Das gesellschaftliche Bild eines Kommunisten schießt sich meist ens auf
die Vorstellung eines autoritären, marxistisch-leninistischen Kommunisten ein.
Ist das aber ein korrektes Bild jedes Menschen der sich selbst als “Kommunist“
bezeichnet?
Woher kommt das Wort “Kommunist eigentlich? Ursprünglich
wurde es in der Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet und leitete sich vom
lateinischen Wort “communis“ (allgemein oder gemeinsam) ab. Für die
bedeutenden, linken Philosophen bedeutete es die Vorstellung von einer
klassenlosen und staatenlosen Gesellschaft. Kommunisten sind also die Menschen,
deren Endziel der Kommunismus ist. Im Gegensatz dazu stehen die Anarchisten:
deren konkretes Ziel ist es nämlich sofort den Kommunismus ohne
Übergangsformen, wie die Kommunisten es planen, zu erreichen. Verwirrend? Ja.
Dann gibt es auch noch die Kommunisten deren Ziel es nicht mal mehr ist den
Kommunismus zu erreichen: größtes Beispiel hierfür ist die Staatsideologie
Nordkoreas, Juche, und die kapitalistischen Kommunisten chinesischer Prägung.
Ein Hauptvorwurf an selbstdeklarierte Kommunisten ist
natürlich, dass sie zur Diktatur tendieren und demokratischen Ideen feindselig
gegenübergestellt sind. Natürlich trifft das auf eine Vielzahl an Kommunisten, die schlimmsten Übeltäter: Leninisten, Maoisten oder auch Trotzkisten, zu allerdings auch auf eine
Vielzahl an Gruppen nicht. Da wären einerseits die Rätekommunisten, die eine im
Gegensatz zur repräsentativen Demokratie stehenden Räterepublik, die
basisdemokratisch von Arbeiterräten geführt werden soll, herbeisehnen. Ein
Großteil der Aufstände im Ostblock fand unter rätekommunistischer und
reformkommunistischer Flagge statt, die Größte unter diesen war vermutlich der
Ungarn Aufstand 1956.
Oder die Eurokommunisten, die sich aus der Abgrenzung der
westeuropäischen, kommunistischen Parteien von der Sowjetunion
herauskristallisierten, und ein demokratisches Mehrparteiensystem unterstützen.
Ein Großteil der heutigen, großen, europäischen KPs (zum Beispiel die KPÖ in
Österreich und Die Linke in Deutschland) sind mehr oder minder
eurokommunistisch.
Wo sich Begriffsdefinitionen und hegemoniale Vorstellungen
immer weiter entfernen, heißt es schlussendlich: Wo Kommunist draufsteht, ist
nicht immer drin, was du dir darunter vorstellst.

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