Die Wissenschaft schreitet konstant voran. Neue Fortschritte
in der Biomechanik und Robotik werden jeden Tag erzielt. Aber ist jeder
wissenschaftlicher Erfolg auf diesen Gebieten auch wirklich ein Erfolg für den
Menschen? Ja, meint Philosoph und Transhumanist Stefan Lorenz Sorgner in dem
Interview „Hirnschrittmacher für alle!“.
Herr Sorgner stellt klar, dass die ersten Schritte für eine
Verschmelzung des Menschen mit der Maschine schon getan wurden: er sieht den Herzschrittmacher
als Startpunkt des Transhumanismus. Auch erwartet Sorgner, dass zukünftig
Depressionen und Parkinson mit Hirnschrittmachern behandelt werden können und dass
neue Fertigkeiten, wie das Sprechen einer Fremdsprache, mittels Gehirnchips
sofort erlernt werden können.
Ein Hauptargument Sorgners für die Erhebung des Menschen auf
ein neues, biomechanisches Niveau ist, dass der Mensch damit auch auf ein neues
Bewusstseinniveau erhoben wird und so schließlich der Körper selbst überwunden
wird. Auch scheint Sorgner zu erwarten, dass der wissenschaftliche Fortschritt den
Lebensstandard des Menschen anheben wird und auch auf medizinischer Ebene die
Lebensdauer des Menschen künstlich verlängern kann.
Ein Problem, das Sorgner ignoriert, ist, dass ein Großteil
der Forschung im biomechanischen Bereich von großen transnationalen Firmen
durchgeführt wird. Deren Ziel ist natürlich die Gewinnmaximierung und nicht die
gemeinnützige Verbesserung des Menschen. Dies führt dazu, dass Produkte, die
den größtmöglichen Gewinn abwerfen, gegenüber vielleicht genauso nützlichen
oder sogar nützlicheren Produkten, die aber weniger Gewinn erwirtschaften,
bevorzugt werden können.
Auch tendieren Firmen dazu, marktwirtschaftlich
gewinnbringende aber ethisch problematische Ergebnisse mit neuer Technologie zu
erzielen. So würde vermutlich, falls die Biomechanik genug fortgeschritten ist,
diese in der Entwickelung von Militärequipment eingesetzt werden. Der Einfluss
neuartiger, transhumanistischer Körpermodifikationen auf die Rüstungsindustrie
wäre enorm und würde das Gesicht der modernen Kriegsführung verändern.
Natürlich wäre das gefährlich: je neuer die Waffen, meist desto tödlicher.
Ein Gebiet, auf dem hingegen die transhumanistische
Forschung großes Potenzial besitzt, ist die Medizin. Krankheiten wie Krebs und
besonders cerebrale Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson sind zurzeit nicht
heilbar. Allerdings könnten in Zukunft, wie auch Stefan Sorgner erwähnt,
Hirnschrittmacher zur Behandlung von Parkinson und Depressionen eingesetzt
werden. Auch wird im Moment daran geforscht, ob man nicht mit Nanobots, die in
den Körper eingeschleust werden, Krebs erfolgreich bekämpfen kann.
Allerdings bergen diese Entwickelungen in der Medizin auch
wieder die Gefahr, dass sie aufgrund ihres hohen Preises nur von der
Oberschicht genutzt werden können. Dies könnte dazu führen, dass die
Gesellschaft sich entzweit: die Reichen können weitaus länger und gesünder
leben als die unteren Klassen.
Schlussendlich lässt sich sagen, dass die biomechanische
Forschung viel Potenzial für einen gesellschaftlichen Fortschritt besitzt,
besonders in der Medizin, hätte aber von menschlichen Schwächen wie Gier
verfälscht oder aufgehalten wird. Es wäre wichtig, dass die internationale Gemeinschaft
genaue Richtlinien für die biomechanische Forschung erstellt und Firmen davon abhält,
die neue Technologie zu missbrauchen. Einzelne Staaten sollten auch in
Forschungen investieren, besonders in Bereiche, die wirtschaftlich weniger
lukrativ sind. Fortschritt ist wichtig aber dieser darf nicht unkontrolliert
sein.

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