Samstag, 27. Januar 2018

Schafft der Transhumanismus mehr Probleme als er löst?

Die Wissenschaft schreitet konstant voran. Neue Fortschritte in der Biomechanik und Robotik werden jeden Tag erzielt. Aber ist jeder wissenschaftlicher Erfolg auf diesen Gebieten auch wirklich ein Erfolg für den Menschen? Ja, meint Philosoph und Transhumanist Stefan Lorenz Sorgner in dem Interview „Hirnschrittmacher für alle!“.

Herr Sorgner stellt klar, dass die ersten Schritte für eine Verschmelzung des Menschen mit der Maschine schon getan wurden: er sieht den Herzschrittmacher als Startpunkt des Transhumanismus. Auch erwartet Sorgner, dass zukünftig Depressionen und Parkinson mit Hirnschrittmachern behandelt werden können und dass neue Fertigkeiten, wie das Sprechen einer Fremdsprache, mittels Gehirnchips sofort erlernt werden können.

Ein Hauptargument Sorgners für die Erhebung des Menschen auf ein neues, biomechanisches Niveau ist, dass der Mensch damit auch auf ein neues Bewusstseinniveau erhoben wird und so schließlich der Körper selbst überwunden wird. Auch scheint Sorgner zu erwarten, dass der wissenschaftliche Fortschritt den Lebensstandard des Menschen anheben wird und auch auf medizinischer Ebene die Lebensdauer des Menschen künstlich verlängern kann.

Ein Problem, das Sorgner ignoriert, ist, dass ein Großteil der Forschung im biomechanischen Bereich von großen transnationalen Firmen durchgeführt wird. Deren Ziel ist natürlich die Gewinnmaximierung und nicht die gemeinnützige Verbesserung des Menschen. Dies führt dazu, dass Produkte, die den größtmöglichen Gewinn abwerfen, gegenüber vielleicht genauso nützlichen oder sogar nützlicheren Produkten, die aber weniger Gewinn erwirtschaften, bevorzugt werden können.

Auch tendieren Firmen dazu, marktwirtschaftlich gewinnbringende aber ethisch problematische Ergebnisse mit neuer Technologie zu erzielen. So würde vermutlich, falls die Biomechanik genug fortgeschritten ist, diese in der Entwickelung von Militärequipment eingesetzt werden. Der Einfluss neuartiger, transhumanistischer Körpermodifikationen auf die Rüstungsindustrie wäre enorm und würde das Gesicht der modernen Kriegsführung verändern. Natürlich wäre das gefährlich: je neuer die Waffen, meist desto tödlicher.

Historisch gesehen war die positive Beeinflussung des  Lebensstandards durch neue Technologien höchstens marginal. Die industrielle Revolution hat zwar die verarmte Bauernbevölkerung aus dem Feudalismus herausgehoben, diese war aber schlussendlich gezwungen, unter harten Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Eine ähnliche Gefahr besteht bei Fortschritten in der Biomechanik: Eine kleine Gruppe könnte aufgrund ihrer Machtposition allein von den Fortschritten profitieren und die restliche Bevölkerung erhält keine positive Veränderung durch diese Entwickelungen.

Ein Gebiet, auf dem hingegen die transhumanistische Forschung großes Potenzial besitzt, ist die Medizin. Krankheiten wie Krebs und besonders cerebrale Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson sind zurzeit nicht heilbar. Allerdings könnten in Zukunft, wie auch Stefan Sorgner erwähnt, Hirnschrittmacher zur Behandlung von Parkinson und Depressionen eingesetzt werden. Auch wird im Moment daran geforscht, ob man nicht mit Nanobots, die in den Körper eingeschleust werden, Krebs erfolgreich bekämpfen kann.

Allerdings bergen diese Entwickelungen in der Medizin auch wieder die Gefahr, dass sie aufgrund ihres hohen Preises nur von der Oberschicht genutzt werden können. Dies könnte dazu führen, dass die Gesellschaft sich entzweit: die Reichen können weitaus länger und gesünder leben als die unteren Klassen.


Schlussendlich lässt sich sagen, dass die biomechanische Forschung viel Potenzial für einen gesellschaftlichen Fortschritt besitzt, besonders in der Medizin, hätte aber von menschlichen Schwächen wie Gier verfälscht oder aufgehalten wird. Es wäre wichtig, dass die internationale Gemeinschaft genaue Richtlinien für die biomechanische Forschung erstellt und Firmen davon abhält, die neue Technologie zu missbrauchen. Einzelne Staaten sollten auch in Forschungen investieren, besonders in Bereiche, die wirtschaftlich weniger lukrativ sind. Fortschritt ist wichtig aber dieser darf nicht unkontrolliert sein.



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