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Samstag, 30. Dezember 2017

Nachspiel

In der Juli 2017 Ausgabe von alles roger? gab Matthias Strolz, Nationalratsabgeordneter der NEOS, neben einigen FPÖ-Politikern ein Interview mit dem vom dem Dokumentararchiv des österreichischen Widerstands als „antisemitisch“ eingestuften Magazin. Das Geben von Interviews in rechtsextremen Publikationen ist immer als fraglich zu sehen. Diese geben nämlich Zeitschriften wie alles roger? eine gesellschaftliche Legimitation, denn wenn auch Mitte-Politiker, wie Herr Strolz, Interviews in rechtsextremen Veröffentlichungen geben bringen diese natürlich ihre gesellschaftliche Anerkennung mit. Antisemitismus und Rassismus verliert so seinen Tabustatus und wird zur einfachen politischen Meinung.
Die NEOS, eine liberale, progressive Partei, sind normalerweise von dieser Haltung relativ weit entfernt darum bat ich um eine Stellungnahme. Und bekam auch eine:

Im Zuge des anlaufenden Nationalratswahlkampf bekommen wir sehr viele Anfragen von den unterschiedlichsten Medien – so auch im konkreten Fall und zwar schriftlich. Folgend unserem Grundsatz: Politik ist der Ort, an dem wir uns ausmachen, wie wir mitsammen leben wollen, haben wir den Zugang, Fragen, die wir – von welcher Seite immer - gestellt bekommen, auch zu beantworten. Die gilt nicht zuletzt auch für Medien bzw. Fragesteller, deren politische oder weltanschauliche Sicht wir nicht teilen. Wie immer legen wir auch in diesem Fall Wert auf die Feststellung, dass die Beantwortung von Fragen in keinster Weise eine Zustimmung zu Inhalten oder der Blattlinie von Medien bedeutet.“



Bei dem Interview mit Strolz handelte es sich wahrscheinlich um einen Versehen, eine Unachtsamkeit, wo vergessen wurde den Background von alles roger? zu checken. Politiker dürfen auch im Wahlkampf nicht jeder Versuchung erlegen, die sich ihnen darbietet um ihre Wählerzahlen zu erhöhen.In der Juli 2017 Ausgabe von alles roger? gab Matthias Strolz, Nationalratsabgeordneter der NEOS, neben einigen FPÖ-Politikern ein Interview mit dem vom dem Dokumentararchiv des österreichischen Widerstands als „antisemitisch“ eingestuften Magazin. Das Geben von Interviews in rechtsextremen Publikationen ist immer als fraglich zu sehen. Diese geben nämlich Zeitschriften wie alles roger? eine gesellschaftliche Legimitation, denn wenn auch Mitte-Politiker, wie Herr Strolz, Interviews in rechtsextremen Veröffentlichungen geben bringen diese natürlich ihre gesellschaftliche Anerkennung mit. Antisemitismus und Rassismus verliert so seinen Tabustatus und wird zur einfachen politischen Meinung.

Nicht alles roger?

Vielleicht ist sie einem schon selber einmal untergekommen: alles roger? DAS QUERFORMAT FÜR QUERDENKER. Öfter findet man dieses Magazin in seiner Post und bei den Meisten wird es wohl nicht weiter beachtet. Wenn man aber einen Blick hinter das populistische Coverbild (was im Falle der Ausgabe Juli 2017 eine Frau mit EU-Mundschloss zeigt) blick findet man vieles: Antisemitismus, Verschwörungstheorien und Anti-EU-Polemik. Und die aktuelle Ausgabe ist anscheinend sogar noch einer der Harmloseren.

Aber nicht alles in alles roger? ist politisch, es finden sich auch Berichte über Heilkräuter, Sportbeiträge und „10 verrückte Phobien“ neben Artikel wo Caritas, Greenpeace und Ärzte ohne Grenzen als „Oft handelt es sich de facto um Vorfeldorganisationen der Grünen. Sie sind die besten Verbündeten Medien und sie leisten sich zum Teil Ungeheuerliches – nicht nur im Mittelmeer“ diffamiert werden. Neben klassisch rechts-außen Ausschlägen gegen die Roten und die Grünen findet sich auch eine Verteidigung von Staatsverweigern.

Alles roger? fahrt durchaus öfters mit Interviews mit äußerst berühmten Persönlichkeiten auf. So war Snoop Dog, Kevin Spacey und Frank Rosin schon Gast. Zumindest veröffentlichte alles roger? Interview mit ihnen. Fraglich ist ob diese Interviews tatsächlich stattfanden oder nur fabriziert wurden. So gibt Kevin Spacey „Seit Jahren arbeiten unsere Politiker, auch die in Europa, anscheinend auf einen größeren Krieg hin“ im Interview von sich, was sich später als Fälschung herausstellte. Folglich sind wohl alle Interviews in alles roger? mit Vorsicht zu genießen, einzig allein die Interviews mit FPÖ-Nahen scheinen wohl auch wirklich so stattgefunden zu haben.

Auch was Antisemitismus anbelangt würzt alles roger? das Ganze gerne noch mit etwas Verschwörungstheorien.  So wird der Familie Rothschild vorgeworfen über drei Ecken am Flüchtlingsstrom zu profitieren und ihn deshalb auch noch weiter zu befeuern zu wollen. Noch weitere wüstere, antisemitische Aussagen lassen sich in vorigen Ausgaben finden. Erst vor Kurzem rückte Hübner die antisemitischen Tendenzen der FPÖ wieder ins Rampenlicht. Die FPÖ-Spitze drängte Hübner zum Rücktritt aus der Partei um eine Imageverlust zu vermeiden. Kickl und Strache geben aber weiter gerne Interviews und schalten ihre Inserate in Publikationen, wie alles roger?, die sowohl von dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als auch von dem Mauthausen-Komitee als „tendenziell antisemitisch“ beurteilt werden. Antisemitismus wird wohl immer noch in der FPÖ geduldet, man darf ihn wohl nur nicht zu öffentlich zeigen.