Venezuela hat im Moment mit einer enormen Wirtschaftskrise
und einem machthungrigen Präsidenten zu schaffen. Das lateinamerikanische Land
steht vor massiven Problemen. Lebensmittelengpässe, Korruption und einen immer
autoritäreren Führungsstil der Regierung rufen vermehrt Proteste innerhalb der
Bevölkerung hervor. Wegen der ideologischen Färbung der Krise (die venezolanische
Regierung besteht aus der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas, die
das Konzept eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ verfolgt) kommt es im
Diskurs über die Situation in Venezuela zum wiederholten Verwenden von Mythen:
Die USA sind für die Krise verantwortlich.
Die venezolanische Regierung fährt im Moment die Linie, dass
die amerikanische Regierung Schuld an der Krise habe. Die USA hat eine lange
Geschichte, was die Einflussnahme auf südamerikanische Länder betrifft. Diese
reichen von politischem Druckmachen bis zu Unterstützung von Putschen gegen
gewählte Regierungen. 2002 kam es in Venezuela zu einem Coup d'État-Versuch
gegen den damaligen Staatschef und Vorgänger Maduros Hugo Chavez. Der Putsch
scheiterte allerdings. Später wurde klar, dass die USA vermutlich auch einen
Einfluss auf den Coup d'État-Versuch hatte.
Auf dem ersten Blick wirken die Anschuldigungen also nicht
komplett irreal allerdings werden sie von der venezolanischen Regierung
gebraucht um jegliche Verantwortung an der schweren Wirtschaftskrise
abzustreifen und die Hauptverantwortung auf die USA zu schieben. Zwar haben
amerikanische Sanktionen die Krise befeuert, aber die Maduro-Regierung ist für
die Entstehung der Krise hauptverantwortlich.
Venezuela ist ein Beispiel dafür, dass Sozialismus nicht
funktioniert.
Nach einer Wirtschaftskrise, die 1982 begann, konnte der
Sozialist Hugo Chavez 1998 den Platz als Staatspräsident erringen. Er nutzte
die hohen Erdölvorkommen Venezuelas um Verbesserungen für die ärmeren Schichten
Venezuelas durchzusetzen, was Chavez eine breite Basis bestehend aus den
Ärmsten zusicherte. Zwar wurde ein Teil der Ölindustrie verstaatlicht und
einige Firmen in Kooperativen umgewandelt aber: Venezuela blieb noch immer ein
kapitalistischer Staat. Aufgrund des hohen Ölvorkommens konnte man sich ein für
lateinamerikanische Verhältnisse großes Sozialsystem leisten.
Die Krise kam als die Ölpreise fielen. Die stark an die
Ölindustrie gekoppelte Wirtschaft Venezuelas stürzte in ein Loch aus Inflation
und Versorgungsengpässen. Die Regierung hatte sich jahrelang zu stark auf die
Ölvorräte gestützt und nicht in alternative Wirtschaftszweige investiert. Das
Resultat ihrer Versäumnisse war ein verehrender Zusammenbruch der Industrie und
auch des ölfinanzierten Sozialsystems. Allerdings: Venezuela war zu keinem
Zeitpunkt ein sozialistischer Staat. Die Wirtschaft war immer großteils in
privaten Händen. Die Krise wurde ausgelöst durch Marktschwankungen, ein
klassisch kapitalistisches Problem, und verschlimmert durch Korruption undMisswirtschaft der Führungsriege.

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