Samstag, 8. Juni 2019

Wieder einmal hat es eine österreichische Regierung zerlegt...



Wieder einmal hat es eine österreichische Regierung zerlegt? Ein erneuter Skandal hat bedeutet, dass sich wieder einmal die Wege der ÖVP und der FPÖ teilen müssen. Was kommt jetzt? Wer wird von Ibiza profitieren? Und ist die FPÖ wirklich regierungsuntauglich?

Die österreichische Politiklandschaft hat sich in eine für alle Beteiligten unvorteilhafte Richtung entwickelt. Die alten Großparteien ÖVP und SPÖ haben schon lange ihre Chance auf eine Alleinregierung verspielt, die FPÖ hat sich zur Volkspartei gemausert, die NEOS stecken bei ihrem Ergebnis um die 7 Prozent der Wahlstimmen fest. Die Grünen haben in letzter Zeit ein hohes Schwankungspotenzial bewiesen und die KPÖ konnte trotz einem Plus im Namen kein Plus an Wählerstimmen anziehen. Bei diesem Zustand fällt es schwer Zukunft für eine kommende Koalition zu finden: die ÖVP mag die FPÖ nicht mehr, weil die ihnen gerade eine Regierung versemmelt hat und mit der SPÖ kann man auch nicht mehr, weil man denen vorhin eine Regierung versemmelt hat. SPÖ und FPÖ können sich nicht ausstehen, weil die einen (nicht ganz unberechtigt) die anderen als wüste Rassisten sehen. Die kleineren, schmaleren Parteien (also quasi die Slim-Fit-Parteien) könnten hier in Zukunft das Zünglein an der Waage sein.

Bei den kommenden Neuwahlen im Herbst hängt es ganz vom genauen Ergebnis ab: die ÖVP erwartet dank der noch relativ gut anhaltenden Beliebtheitswerten ihres sebastianischen Wunderkinds ein recht gutes Ergebnis, immerhin haben Strache und Gudenus mit ihrer durchzechten Ibizanacht womöglich einige konservative Stammwähler der FPÖ von ihrer Partei gelöst. Sollten sich die Grünen wie ein Phönix aus den Aschen der außerparlamentarischen Opposition erheben, wäre eine Türkis-Grüne Regierung nicht ganz unwahrscheinlich. Oder sollten es die NEOS schaffen einige Prozente zu addieren wäre ein türkis-pinker Cocktail auch möglich. Nur eines steht fest: die FPÖ wird wieder einmal einige Jahre aus der Regierung ausgeschlossen bleiben.

Schon nach dem Zerfall des ersten schwarz-blauen Paktes haben manche Experten attestiert, dass die FPÖ einfach regierungsuntauglich sei. Und anscheinend hat sich seitdem wenig geändert. Die Kurz-Regierung war geprägt durch die berüchtigten Einzelfälle der FPÖ, manchmal fast schon liebevoll „braune Rülpser“ genannt, die immer wieder die tiefst reaktionäre Ideologie hinter den Freiheitlichen zur Schau stellte. Von Ratten bis Angriffe auf Journalisten war alles im Gepäck. Erst als sich herausstellte, dass die strammen Rechten der FPÖ auch noch korrupt waren musste die Sicherheitsleine gezogen werden. Erst als man merkte dass Ex-Neonazi (das wird ja man noch sagen dürfen) HC Strache versuchte die österreichische Demokratie an eine Oligarchentochter zu verscherbeln war es zu Ende mit dem Drama.